Geschichte

Die Gemeinde Rottenbach wird erstmals 1130 als „Rotenbach“ urkundlich erwähnt. Woher der Ortsname kommt ist unklar – diesbezüglich gibt es drei Interpretationen: „Rotte am Bach“, „Roter Bach“ (wegen des hohen Eisengehalts im Bach), „Rodung am Bach

Rottenbach zeichnet sich durch die einzigartige verkehrsstrukturelle Lage aus. Der Ort liegt direkt an der Rieder Bundesstraße zwischen Grieskirchen u Ried und nur 2 Km von der Autobahnauffahrt Haag entfernt. Durch seine ländliche Struktur zeichnet sich Rottenbach sehr gut als Wohnsitzgemeinde aus. Sehenswürdigkeiten in der Gemeinde sind das Schloss Innernsee, wo einst das Adelsgeschlecht der Innerseer herrschte, die im spätgotischen Stil erbaute Pfarrkirche Rottenbachs und die über 300 Jahre alte Holzkapelle in der Ortschaft Rappoltsberg.

Im Jahre 2001 wurde durch den konstanten Wachstum der Bevölkerung, welcher sich vor allem in den Siedlungsgebieten bemerkbar machte, die Einwohnerzahl von 1.030 übersprungen.

Die Wirtschaftsstruktur ist vorwiegend landwirtschaftlich ausgerichtet, kleinere Gewerbebetriebe, ein gewerblicher Großbetrieb, Auspendler.

Das Gemeindegebiet von Rottenbach dürfte ab dem 7. Jh. n. Chr. besiedelt worden sein. Nach der Gründung des Bistums Passau im Jahre 739 n. Chr. wurde das Hausruckgebiet teilweise auch vom Hochstift Passau aus urbar gemacht und missioniert. Der Hausruckwald reichte noch um 1100 n. Chr. bis in die Gegend von Roit (heute: Gemeinde Taufkirchen/Tr.).

Eine Urkunde vom Jahre 1049 n. Chr. gibt uns Kunde von einer Schenkung einer Waldung am Rotenbach an das Erzstift St. Peter bei Salzburg durch den Kaiser Heinrich III. (Strnadt, „Peuerbach“, S. 85). Im Jahre 1130 n. Chr. scheint Rotenbach als ein praedium auf (U.B. I/648). Ein Lanzo de Rotenbach bezeugt um 1120 n. Chr. die Übergabe eines Gutes zu Willhalming an Megginhart von Wiwaren (=Weibern).

Mitzeugen sind: a) Adalram von Höglham, b) Merboto von Hag, c) Egino von Stille.

Dieses Gut mußte als Seelgeräth für den Stifter Chadelhoh von Richersheim an das Kloster Formbach in Bayern weitergegeben werden (H. Fuchs, Die Pfarre Rottenbach, in Hei Folge 221, Mai – Juni 1978, S. 2-3).

Von wo die Rotenbacher gekommen sind, ist nicht ganz geklärt, manche meinen, daß sie aus Bayern stammten. H. Fuchs vertritt die Auffassung, daß der Name „Rottenbach“ sich von „Rotte am Bach“ ableitet.

Der bedeutendste Edelsitz im Gemeindegebiet ist Innernsee, ehedem eine Wasserburg, später ein Wasserschloß. Das alte Schloß Innernsee stand auf der „Haselwiese“.

Wie auch anderswo, dürfte der Erstbau aus Holz gewesen sein. Ob die Innernseer vom Bauernstand in den Ritterstand aufgestiegen sind, ist nicht mit Sicherheit zu sagen.

Norbert Grabherr führt folgende Daten an:
1286: Hans der Innerseer, 24.12.1489: Steffen Innerseer zu Indersee, 08.11.1515: „Pangraz Inderseer zu Indersee, Steffen des Inderseer sel. sun“ (Hist.-top. HB, S. 48, E/20/2).

Der Hans Innerseer des Jahres 1286 war ein Dienstmann der Starhemberger. Erwähnt ist der Sitz Innersee erst im Jahre 1301. Die Innerseer, von deren Bezeichnung es verschiedene Schreibweisen gibt (Innerseer, Innernseer, Inderseer, Inderseher), waren zeitweilig auch Gefolgsleute der Herren von Schaunberg. Das Geschlecht der Innerseer bleibt bis ins 16 Jh. im Besitze des Schlosses und der Herrschaft Innersee. Um 1301 hören wir von einem Heinrich. In diesem Zusammenhang tritt die Wasserburg Inneres erstmals urkundlich in Erscheinung. Hier handelt es sich um eine Urkunde des Ruger von Starhemberg, Heinrich Innerseer ist aber auch in Urkunden des Klosters Wilhering zu finden. Im Jahre 1371 stellt Mörtl der Innerseer dem Grafen Ulrich von Schaunberg einen Gehorsamsbrief aus. Der Grund für diesen Dienstwechsel ist uns nicht bekannt. Ein Stephan Innerseer war von 1376-1380 Schaffer auf der Burg Starhemberg bei Hag. Der noch zu erwähnende Hans Innerseer war 1454 lf. Pfleger auf der Veste Tratteneck (heute: Gemeinde Schlüßlberg) und 1463 Hofrichter in Kremsmünster. Letztmalig hören wir von ihm 1479. Auf ihn folgt sein Sohn Stephan, der 1490 Inhaber des lf. Lehens Schmiding ist. Laut H. Fuchs soll er am Sonntag nach dem St. Johannestag des Jahres 1503 gestorben, und in der Kirche in Rottenbach begraben worden sei. Auf ihn folgt sein Sohn Wolfgang, der 1526 die Ursula Hohenfelder von Aistersheim zur Frau genommen hat.

Hans III. der Innerseer heiratete am 17. November 1555 die Tochter Susanne des Hans IV. Jörger von Tollet. Im Jahre 1581 veräußerte Hans Paul Innerseer 12 seiner Güter an Sigmar von Schlüsselberg. Der Besitz Innersee war tief verschuldet und wurde an den Oberstprovikantkommissär in Ungarn, Caspar Püchler von Khettenhof bei Schwechat, verkauft. Hans Paul Innerseer zog sich auf den zu Innersee gehörenden Sitz Höft (heute: Gemeinde Gaspoltshofen) zurück. Eine Zeit lang hatten die Innerseer auch den Sitz Hueb, ebenfalls Gemeinde Gaspoltshofen, besessen sowie den Sitz Manglburg, Pfarre Grieskirchen.

Auf die Innerseer folgen die Frankinger und auf sie Bartholomäus von Dietrichstein, 1579-1635. Der Frankinger war ein eifriger Anhänger der lutherischen Lehre, hielt sich meist auf dem zugehörigen Sitz Riedau auf, und starb am 22. März 1608. Er wurde in Riedau bestattet.

Seine Tochter Elisabeth war die Hausfrau des Bartholomäus von Dietrichstein. Dieses Geschlecht gehörte dem Kärntner Uradel an und scheint bereits 984 n. Chr. auf. Bartolomäus wurde am 07. April 1579 geboren, ehelichte 1600 die Elisabeth von Franking, die ihm 19 Kinder geschenkt haben soll. Im Jahre 1613 erwarb er die H. Roit (heute: Gemeinde Taufkirchen/Tr.). Als Anhänger der neuen Lehre wanderte er im Jahre 1626 nach Nürnberg aus. Noch vor seinem Tod in Nürnberg (1635) verkaufte er Innersee als Brandruine an den Passauer Probstrichter zu Ried, Tobias von Kherr, 1635-1659. Dieser stammte aus dem Raume von Chiemsee. Am 22. Mai 1630 wurde er mit dem Prädikat „… von Kherr“ in den Adelsstand erhoben.

Seine Hausfrau war die Tochter des Johann Flieger von Hirschberg, sie starb 1655, vier Jahre später starb auch er. Beide wurden in der Stadtpfarrkirche zu Ried bestattet. Das Adelsgeschlecht der Fieger von Hirschberg stammte aus Hall in Tirol. Im Jahre 1659 ehelichte Ferdinand Fieger von Hirschberg die einzige Tochter des Tobias Kherr names Magdalena. Von den sechs Kindern überlebte nur der Sohn Martin, Festungshauptmann von Erlach, von dem bereits im Abschnitt II/2 die Rede war. Ferdinand Fieger von Hirschberg starb am 08. Jänner 1670. Auch er liegt in Rottenbach begraben.

Seine Witwe Magdalena ehelichte am 09. Februar 1671 den Franz Ferdinand Wiellinger von der Au und Hinterdobl, der 1652 auf Hinterdobl geboren worden war (ein Enkel des Bauernführers von 1626, Achaz Wiellinger).

Von wo die Wiellingers kamen, ist nicht voll geklärt, anfangs und Mitte 16. Jh. saßen sie auf Kärtring, heute Gemeinde Haag/H. Maria Magdalena starb am 22. Februar 1679 und hatte kurz vorher in die Pfarrkirche in Rottenbach 100 fl gestiftet. Hierfür waren jährlich vier Seelenmessen zu lesen. Franz Ferdinand Wiellinger nahm in zweiter Ehe die Maria Felizitas Spindler von Hofegg zur Frau, deren Verlassenschaftsinventar ins Archiv Schlüsselberg kam und uns einen guten Einblick in den Privatbereich des damaligen Kleinadels gewährt.

Franz Ferdinand Wiellinger starb am 23. Juli 1730 und wurde in der Pfarrkirche in Pram bestattet. Im Besitze von Innernsee folgten der Oberst Dominik Wiellinger und dann dessen Bruder Johann Josef Wiellinger, Hauptmann und später Verordneter des Ritterstandes.

Im Bauernkrieg 1626 war das Schloß Innersee ein Raub der Flammen geworden. Den Wiederaufbau besorgten die Fieger von Hirschberg. Der Bau wurde zweistöckig mit einem Turm in der Mitte. Zu nennen ist auch das schöne Renaissanceportal und der ebenerdige Laubengang sowie der durchgehende Arkadengang im Obergeschoß.

Der das Schloß einst umgreifende Teich ist noch teilweise erhalten. Der Turm des Schlosses wurde später abgebrochen.

Später wechselten im Besitz Johann Ludwig Gablkoven, Ernst Gemperle von Weidenthal und die Postmeisterfamilie Heyss (bis 1916) ab. Dieser folgte der Familie Payrhuber und ab 1954 Ignaz Sickinger, der mit einer Payrhuber verheiratet war.

Die Innerseer sind im Jahre 1644 ausgestorben (Hoheneck III, f. 291).

Als weiteren Sitz im Gemeindebereich führt Norbert Grabherr die Peunt an. Er sieht die Erdsubtruktion des ehemaligen Sitzes auf den Hausgründen des Bauernhauses Mair in Ditschenberg, O. Mösenpoint, KG Rottenbach. Es gibt auch den Flurnamen „Teichschlößlwiese“.

1379  „der Sicz in der Peunt des Wenzl Tutschenperger“
1395  „Hans der Tutschenperger hat zu Lehen den Hof in der Peunt“
um 1397 „Peter vnd Hanns, Vettern die Anhanger habent zu Lehen den sicz vnd hof genannt in der Pewnt gelegen in der Grieskirchner pharr“
28.10.1455  „Sigmund Ponhalm hat zu Lehen den Sicz in der Pewnt vnd den Pawhof davey“ (Hist.-top.HB., S. 48, E/20/1).

Die Tuschenberger sollen von 1308-1380 als starhembergische Dienstmannen zu Ditschenberg bei Mösenpoint und zu Meggenhofen angesessen und von Ottnang gekommen sein. Wernhard der Tutschenperger erhielt im Jahre 1380 von Herzog Albrecht III. von Österreich das Schloß Meggenhofen zu Lehen. Die Tutschenperger waren mit den Innerseern verwandt.

Im Bauernaufstand 1632 war der Schmied auf der Jungbauernschmiede in Winkling, Thomas Leuthner, Vertrauter des Praedikanten Jakob Greimbl. In den Akten ist er als „Hauptmann Schmied“ zu finden. Er soll nach H. Fuchs das Gefecht bei Lambach geleitet haben. Hier wird er am 21. September 1632 gefangen und nach einem Verhör vor dem Hofrichter zu Lambach nach Linz gebracht. Nach zweimaligen Zwicken mit einer glühenden Zange wurde Leuthner enthauptet und gevierteilt. Der Egglehnerhof, an dem sich zu Pfingsten 1632 Jakob Greimbl niedergelassen hatte, wurde nach der Hinrichtung Greimbls eingeäschert.

Auch in der Pfarre Rottenbach gab es Bäder und Wundärzte. So war in der O. Innernsee bereits im Jahre 1632 ein Bad ansässig, in der O. Frey schon vorher.

Die meisten der 17 Häuser der O. Frey gehörten nach H. Fuchs Webern und Handwerkern. Im Jahre 1836 hatten sie zusammen bloß zwei Joch Wiesen und waren daher dem Zehent nicht unterworfen. Das Haus Frey Nr. 10 war der Sitz des Amtsmannes, zu dessen Aufgabenbereich die Auszählung des Zehents, die Ansage der Robot und die Mitwirkung bei der Schätzung sowie bei der Pfleggerichtsabhandlung nach dem Tode eines Untertanen gehörten.

Um 1130 n. Chr. wird die Kirche zum hl. Petrus urkundlich erwähnt. Sie war eine Filialkirche der Pfarrkirche Hofkirchen und soll bereits 1360 n. Chr. Pfarrechte besessen haben. Zu ihrem Bereich gehörte auch der spätere Pfarrbereich Haag. In der Lonstorfer Matrikel wird Rottenbach als Pfarre geführt, in den Verzeichnissen des 15./16. Jh. als Vikariat (Konsisorialmatrikel 1429 und Episkopalmatrikel 1476), und zwar als solches von Hofkirchen. In der PM finden wir die Stiftung der St. Maria Magdalenakapelle in der Kirche Rottenbach. Als Pfarre im kirchenrechtlichen Sinne gilt Rottenbach seit 1633/43.

Die Vogtei über die Kirche in Rottenbach hatten ehedem die Rotenbacher, nach deren Aussterben die Steinbacher/Starhemberger, nach 1379 der Landesfürst und ab 1627 die Fürstbischöfe von Passau.

Vor 1540 war Michael von Kuenberg Seelsorger von Rottenbach und St. Ägyd oder Rotenbach (=Niedernhag). Ab 1540 war er Pfarrer von Hofkirchen und soll Kanonikus von Freising, Passau und Regensburg gewesen sein. Im Jahre 1554 erhob man ihn zum EB von Salzburg. Er starb am 17. November 1560.

Die Pfarrkirche in Rottenbach ist ein spätgotischer Bau mit einem Netzrippengewölbe. Die Decke des Presbyteriums weist spätgotische Fresken auf (Evangelisten und das Schweißtuch der Veronika), datiert mir 1524. Der barocke Hochaltar zeigt die Berufung Petri und im Aufsatz eine frühbarocke Muttergottesstatue aus dem 17. Jh.  Über dem Sakristeitor ist eine barocke Darstellung der hl. Familie zu sehen. An der Kirchenmauer gegen Süden hin gibt es ein Unikat: Christus mit der Schulterwunde. Die Türbeschläge sind spätgotisch.

Söhne der Pfarre und Gemeinde Rottenbach sind die Wirkl. Hofräte Dr. Alois Zauner und Dr. Franz Wilflingseder. Dr. Alois bekleidet seit dem 01.07.1979 die Funktion des Direktors des Landesarchives Linz. Aus seiner Feder stammen viele Abhandlungen und Beiträge. Dr. Franz Wilflingseder war Direktor der Studienbibliothek Linz und starb 1985.